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Difference between revisions of "Anarchokommunismus"

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*[http://www.anarkismo.net/newswire.php?story_id=6975 Was ist anarchistischer Kommunismus?]
 
*[http://www.landshut.org/bnla01/members/Flexhead/Svaveldioxid/Ankom.html Artikel von Erich Fliegenbein]
 
*[http://www.landshut.org/bnla01/members/Flexhead/Svaveldioxid/Ankom.html Artikel von Erich Fliegenbein]
 
*[http://www.nefac.net Northeastern Federation of Anarchist Communists (of North America)]
 
*[http://www.nefac.net Northeastern Federation of Anarchist Communists (of North America)]

Revision as of 17:12, 1 December 2007

Die Idee des Anarchokommunismus (synonym: "anarchistischer Kommunismus", "libertärer Kommunismus", "freier Kommunismus" oder "kommunistischer Anarchismus", auch einfach "Anarchismus" oder "Kommunismus") geht zurück auf den russischen Anarchisten Pjotr Kropotkin. Dieser formulierte die These, dass Anarchismus und Kommunismus (Bedürfnisprinzip) nur zusammen funktionieren könnten, da sie einander gegenseitig bedingten. Dabei gehen AnarchistInnen von einem Kommunismusbegriff jenseits der Staatsideologie und der Parteigefolgschaft aus. Anarchokommunistische Vorstellungen überschneiden sich teilweise mit anderen anarchistischen Ideen. So gehen beispielsweise alle Strömungen davon aus, daß die Selbstorganisation der Menschen Grundbedingungen einer freien Gesellschaft ist und die Existenz eines Staates egal in welcher Form immer die Freiheit der Menschen beschneidet. Weitere Übereinstimmungen gibt es mit SyndikalistInnen und KollektivistInnen in der Ablehnung des Privateigentums, was wie manchmal fälschlich angenommen wird, nicht identisch mit dem Besitz ist. Hier lassen sich die vorgenannten Strömungen deutlich von individualistischen Strömungen abgrenzen, bei denen das Eigentum von zentraler Bedeutung ist.[1]

AnarchokommunistInnen lehnen das Eigentum aber nicht deshalb ab, weil sie sich bescheiden und dem Luxus entsagen wollen, vielmehr gilt es die Basis der Freiheit zu sichern, die nur unter Gleichen existieren kann. Gleichheit heißt nicht Gleichmacherei sondern bedeutet für alle Menschen die gleichen Vorraussetzungen zu schaffen und zwar nicht nur in der Theorie oder auf dem Papier sondern in der Realität. Der Anarchokommunismus teilt die marxistische Kritik der politischen Ökonomie aber nicht die marxistischen Vorstellungen, die zur Überwindung führen sollen. Kropotkin und andere kommunistische Anarchisten kritisierten bereits während der russischen Revolution den von Lenin propagierten pseudomarxistischen Kommunismus (Staatskapitalismus) als totalitär und elitär. Im Unterschied zu staatskommunistischen Ansichten wird es nach anarchokommunistischer Überzeugung keine Übergangsgesellschaft geben, nur der direkte Weg zu einer freien anarchokommunistischen Ordnung schafft die Möglichkeit das Zeitalter des bürgerlichen Gewalt- und Chaossystems zu überwinden.

Eine künftige anarchokommunistische Gesellschaft wird keine homogene Ordnung sondern ein pluralistisches System sein, in dem grundsätzlich alles möglich ist, was nicht zu neuen Herrschaftsformen führt. Mit der Zeit wird ein neues Denken des Miteinanders das bürgerliche Konkurrenzdenken ersetzen, somit bedarf es keiner Korrekturmechanismen wie z.B. Gesetze oder Polizei. Daß sich ein solches Denken von heute auf morgen durchsetzen kann und keiner Generationen bedarf, hat die Geschichte in Spanien (siehe Spanischer Bürgerkrieg) und der Ukraine (siehe Machno-Bewegung) bewiesen, zwei Systeme die in sich stabil waren und von außen durch Faschisten bzw. Bolschewisten zerstört wurden. Das neue Denken wird auch einen neuen Umgang der Menschen miteinander hervorbringen, so kann z.B. die freie Vereinbarung eine Möglichkeit zur Bildung freier Kooperationen bieten. Die ständige Hinterfragung von Hierarchien und der Abbau von entsprechenden Strukturen wird aber ein dynamischer Prozess bleiben.

Abgrenzung zum Sozialismus und anderen Ideologien

Der Kapitalismus beruht auf der Eigentumslogik. Entsprechend dieser Logik können Sachen nur getauscht (oder wenn wer guten Willens ist) verschenkt werden, alles was frei verfügbar ist, wird von der sogenannten "Volkswirtschaftslehre" als freie Güter bezeichnet. Dies sind Güter, die nicht kapitalistisch verwertet werden können, weil Verfahren zur künstlichen Verknappung hier von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden oder technisch noch nicht möglich sind, einfache Beispiele wären z.B. die Luft oder das Meer. (Früher konnte hier auch Bildung aufgezählt werden.) Güter die kapitalistisch verwertet werden können, werden zu Waren und "volkswirtschaftlich" als "knappe Güter" bezeichnet, daß sie zum großen Teil gar nicht knapp sind, sondern künstlich verknappt werden, spielt dabei keine Rolle, wichtig ist nur, daß die Substanz (also u.a. auch die Menge der knappen Güter) sich mehrt, die als Kapital bewegt wird. Der Trend der künstlichen Verknappung hält weiter an, wie mensch an den Privatisierungen bei Bahnen und im Gesundheitssystem oder am Patentrecht heute sehen kann und auch z.B. vom EG-Butterberg seit Jahren kennt. Selbst die Einführung von Studiengebühren ist ein Schritt in diese Richtung.

Nun ist Marktwirtschaft eigentlich simple Mathematik und wie wir von Potenzfunktionen wissen, gibt es zwischen den Funktionsanstiegen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten eine Differenz und diese Differenz muß, jetzt wieder auf die Wirtschaft übertragen, als (makroökonomische) Substanz dem Kapitalkreislauf hinzugefügt werden, sonst bricht das System zusammen und es kommt zu einer sogenannten Krise. Dieses gelang in der Nachkriegszeit durch neue Produkte (TV, Auto, Rüstungsindustrie, Computer), der Verringerung der Umlaufzeit durch neue Produktionsmethoden (Automatisierung) oder durch Erweiterung der Märkte (Zusammenbruch des Ostblocks). Es wurde privatisiert, neue Gebühren und Steuern wurden erhoben und Überproduktionen auf Kosten der Steuerzahler vernichtet, damit wieder neu produziert werden konnte. Nicht zuletzt platzten viele Finanzblasen auf Grund fehlender Substanz. Also alles was heute in der Politik geschieht, kann gewissermaßen als Gesetzmäßigkeit des kapitalistischen Wirtschaftens verstanden werden.

Der Kapitalismus ist nun aber nicht einfach ein bidirektionaler Tauschhandel, sondern ein Kreislauf der nur solange funktioniert wie das Kapital in Bewegung bleibt. Natürlich wird kein Investor auch nur einen Euro für ein Geschäft opfern von dem er glaubt, daß es keinen Profit abwirft. Der Profit ist also der Anreiz um den Kapitalkreislauf am Leben zu halten und dabei sind die handelnden Personen beliebig austauschbar. Dies bedeutet, daß der Kapitalismus über eine Eigendynamik verfügt, die mit einem Krebsgeschwür vergleichbar ist. Egal wie mensch ein solches Geschwür behandelt, es hat immer den Drang sich auszubreiten und solange Metastasen (z.B. Freiwirtschaft) existieren, wird es sein zerstörisches Wachstum von vorn beginnen. An diesem Metapher wird auch schon deutlich, daß es völlig egal ist, ob eine politische Führung dem Geschwür wohl oder kritisch gesonnen ist. Will mensch den Kapitalismus also wirklich überwinden, muß er vollständig bis auf die letzte Zelle entfernt werden. Es genügt nicht Verzicht auf Profit zu üben (wie z.B. bei non-profit oder fair-trade), sondern die Erlangung des Profites muß unmöglich gemacht werden. Jede andere Herangehensweise führt automatisch zu verkürzter Kapitalismuskritik unabhängig davon wie die jeweilige Ideologie und die dahinterstehenden Propheten heißen.

Hier beginnt aber der logische Fehler, der sämtlichen sozialistischen Vorstellungen zu Grunde liegt. Der sozialistische Gedanke legt einen humanistischen Anspruch an die kapitalistische Wirtschaft, mensch könne doch die Sachen besser verteilen und solidarischer miteinander umgehen und genau dies kann die kapitalistische Wirtschaft nicht. Es wird nämlich ausgeblendet, daß der Kapitalismus nach simplen mathematischen Formeln abläuft und so wie es in der Schule nicht half, die Formel anzubeten, damit sie sich selbst aufzulöse, genauso wenig hilft auch ein Gebet an den Kapitalismus, mensch möchte ihn humanistisch gestalten. Diesem Irrglauben liegt die Annahme zu Grunde es gebe steuernde Individuen, die nach Gutdünken die Form des Kapitalismus ändern können, doch die gibt es nicht. Lediglich der Staat hatte im Zeitalter der Nationalstaaten die Möglichkeit hier für einen gewissen Ausgleich ("Sozialstaat") zu sorgen und nur aus diesem Blickwinkel läßt sich die Idee des autoritären Sozialismus überhaupt begründen. Die kapitalistische Wirtschaft ist ein Motor in sich selbst und der Energielieferant ist der Tauschhandel. Dieser kann nur überwunden werden, wenn Waren wieder zu wertfreien Gütern werden. Jede Schaffung eine Äquivalents führt zu neuen Ungerechtigkeiten und sichert das Überleben des Kapitalismus.

Alexander Berkman schreibt in seiner rhetorischen Schrift ABC des Anarchismus: "»Aber warum wird nicht jeder entsprechend dem Wert seiner Arbeit entlohnt?« fragen Sie. Weil es kein Verfahren gibt, mit dem Wert gemessen werden kann. Das ist der Unterschied zwischen Wert und Preis. Der Wert einer Sache wird durch ihren Stellenwert bestimmt, während der Preis angibt, wofür sie auf dem Markt gekauft oder verkauft werden kann. Was eine Sache wert ist, kann niemand wirklich sagen. Volkswirtschaftler geben im allgemeinen den Wert einer Ware als Summe der Arbeit an, die für ihre Produktion aufgewendet werden muß; Marx spricht von »gesellschaftlich notwendiger Arbeit«. Aber offensichtlich ist das kein gerechter Maßstab. Angenommen, ein Tischler arbeitet drei Stunden, um einen Küchenstuhl herzustellen, während ein Arzt nur eine halbe Stunde braucht, um eine Ihr Leben rettende Operation auszuführen. Wenn die Summe der aufgewandten Arbeit den Wert bestimmt, dann ist der Stuhl mehr wert als Ihr Leben. Das ist natürlich offenkundiger Unsinn. Selbst wenn Sie die Jahre des Studiums und der Praxis mitzählen, die den Arzt zu der Operation befähigten, wie wollen Sie dann entscheiden, wieviel »eine Operationsstunde« wert ist? Der Tischler und der Maurer mußten auch lernen, bevor sie ihre Arbeit sicher beherrschten, aber Sie berücksichtigen diese Jahre der Lehrzeit nicht, wenn Sie sie mit einer Arbeit beauftragen. Außerdem ist die besondere Fähigkeit und Neigung in Betracht zu ziehen, die jeder Arbeiter, Schriftsteller, Künstler oder Arzt bei seiner Arbeit einsetzen muß. Dieser Faktor hängt allein von der einzelnen Person ab.
Wie wollen Sie diesen Wert einschätzen? Wert kann deswegen nicht bestimmt werden. Ein und dieselbe Sache mag für eine Person viel wert sein, während sie für eine andere gar keinen oder nur geringen Wert besitzt. Selbst für ein und dieselbe Person mag sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten viel oder wenig wert sein. Ein Diamant, ein Gemälde oder ein Buch mag für den einen sehr viel und für den anderen sehr wenig wert sein. Ein Laib Brot wird Ihnen viel wert sein, wenn Sie hungrig sind und viel weniger, wenn Sie es nicht sind. Selbstverständlich läßt sich der wirkliche Wert einer Sache nicht bestimmen, wenn es sich um eine unbekannte Größe handelt. Der Preis jedoch kann leicht ermittelt werden. Wenn es fünf Laibe Brot gibt und zehn Personen wollen aber je einen kaufen, dann wird der Brotpreis steigen. Er wird aber fallen, wenn zehn Laibe Brot vorhanden sind und fünf Käufer nur je einen erwerben wollen. Der Preis hängt von Angebot und Nachfrage ab. Der Warenaustausch anhand von Preisen führt zu Profitmache, zu Übervorteilung und Ausbeutung; in wenigen Worten: Zu irgendeiner Form des Kapitalismus. Wenn Sie die Profite beseitigen wollen, dann können Sie weder ein Preis- noch ein Lohn- oder Gehaltsystem beibehalten. Das heißt, daß der Austausch entsprechend dem Wert erfolgen muß. Aber da der Wert unsicher oder nicht bestimmbar ist, muß der Warenaustausch auf freier Basis erfolgen, ohne einen »gleichen Wert«, denn so etwas gibt es nicht. In anderen Worten heißt das, die Arbeit und ihr Produkt müssen ohne Preis und ohne Profit frei und entsprechend ihrer Notwendigkeit ausgetauscht werden. Das führt logischerweise zu öffentlichem Eigentum und gemeinsamem Gebrauch. Dieses vernünftige und gerechte System ist als Kommunismus bekannt."

siehe auch

Literatur

  • Bini Adamczak (2004). Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird. Unrast-Verlag. ISBN 3-89771-430-2

Unpatetische Erzählung über die Notwendigkeit des kommunistischen bzw. eben auch anarchistischen Begehren, die Welt zu verändern, mit einem kleinen Abriss über die vielfältige Geschichte der Vorstellungen vom Kommunismus.

  • H. (FAU-Bremen): Syndikalismus, kommunistischer Anarchismus und Rätekommunismus. Eine Erwiderung auf die rätekommunistische Kritik am "Gewerkschaftsfetischismus" und am kommunistischen Anarchismus Erich Mühsams, Bremen 2005.

Anmerkungen

  1. Dieses ist natürlich völlig unsinnig, was sich schon daran zeigt, daß Eigentum ja einen Rechtsanspruch auf eine Sache definiert, in einer anarchistischen Gesellschaft wird aber niemand mehr sein, der diesen Rechtsanspruch durchsetzen kann. Dies ist somit auch der Grund warum "Anarchoindividualismus" einen Antagonismus darstellt, d.h. es ist unmöglich, daß es ihn geben kann, es kann nur Anarchismus oder Individualismus geben. Dies gilt natürlich erst recht für den so genannten "Anarchokapitalismus". Es bedeutet jedoch nicht, daß es in einer künftigen anarchistischen Gesellschaft keinen Individualismus mehr gibt. Es meint nur, daß das Gesamtkonzept als Ganzes widersprüchlich ist.

Weblinks

Kategorie:Anarchismus Kategorie:Anarcho-Kommunismus Kategorie:Kommunismus