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Rolf Raasch

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Rolf Raasch ist 1953 geboren. Er war aktiv in der Berliner anarchistischen Bewegung, u.a. dem "Libertären Forum Berlin" und ist Autor von Veröffentlichungen mit anarchistischem Hintergrund. Er ist Inhaber des "OPPO Verlages".

Denk´ich an Deutschland

Anfang und Mitte der 90er Jahre wurde Rolf Raasch die Verbreitung von nationalistischen Tönen in der anarchistischen Bewegung vorgeworfen. Er solle sich positiv auf Begriffe wie "Nation" bezogen haben. In seinem Artikel "Es leben die ´Vereinigten Republiken Deutschlands´!" in der Broschüre "Denk´ich an Deutschland" bezieht er sich auf einen gleichnamigen Aufruf Gustav Landauers: "Nach 72 Jahren deutscher Geschichte (...) hat dieser Aufruf jedoch einen anderen Klang - in linken Ohren ein Klang mit rechten Dissonanzen. Aus der Eindeutigkeit der landauerschen Urfassung scheint eine problematisch-mehrdeutige Neufassung geworden zu sein. Hinter diesem Schein verbergen sich jedoch Interpratationsschwierigkeiten, hervorgerufen durch den Umstand, daß die Linke inzwischen unter veränderten historischen Bedingungen hört" (S. 29). Im weiteren versucht Raasch Landauers Position zu verdeutlichen. Für Landauer wirkte dass das Gefühl der kulturellen Zusammengehörigkeit, welches vor allem durch die gemeinsame Sprache spürbar wird, dem Staatsprinzip oft entgegen. Dieses Bewußtsein bezeichnet Landauer als Nation. In der revolutionären Situation von 1918 erwartete Landauer den Zerfall des großpreußisch-deutschen Zentralstaates und forderte die Föderation "neuer autonomoer Republiken", die von unten nach oben gegliedert sein sollten. Aufbauend auf diesem positiven Begriff von Nation kritisiert Raasch im folgenden die staatsfixierte deutsche Linke und ihr Verhältnis zu deutschen Zweistaatlichkeit. Aus realpolitischer Sicht sieht er in dem Zusammenwachsen der Deutschen mehr Chancen als Gefahren. Die wirkliche Einheit der Menschen in Deutschland und Europa wird für Raasch aber nur über eine "authentische föderative Vielfalt, als eine wirkliche Alternative zum Groß-Deutschen oder Groß-Europäischen Zentralstaat, erreicht werden können" (S. 35). Die landauersche Position ist auch auf die Verhältnisse einer multikulturellen Gesellschaft anwendbar, da ethnisch begründete Argumentationen - wie könnte es bei Libertären anders sein - überhaupt nicht angeführt werden. Insofern wurde keine Notwendigkeit gesehen, dies überhaupt in Erwägung zu ziehen. Der Vorwurf, nationalistische Positionen zu vertreten, wurde in dieser Debatte auch den übrigen Autoren gemacht Hans-Jürgen Degen. Die Diskussion wurde in den libertären Medien "Schwarzer Faden" (inzwischen eingestellt) und der "Direkten Aktion" geführt. Die AnarchosyndikalistInnen in der "Direkten Aktion" wie die HerausgeberInnen des "Schwarzen Fadens" lehnten die positive Besetzung des Begriffs Nation durch Libertäre grundsätzlich ab.

"Das, was Nation ausmacht ist auch für den Libertären, der in dieser Gesellschaft groß geworden ist, eine nicht zu verleugnende Tatsache, z.B. die Sprache. Also ein kleiner Teil der Gesamtidentität, die sich aus tausenden Identitäten zusammensetzt. Aber Nation ist nicht das, worauf sich Anarchisten in erster Linie beziehen sollten." (Rolf Raasch)

Literatur

Degen, Schmück, Raasch u.a.: "Denk´ich an Deutschland. Beiträge zu einer libertären Positionsbestimmung.", Verlag Klaus Guhl, Berlin 1990.

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