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Difference between revisions of "Max Stirner"

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*Alfredo M Bonnano: ''Max Stirner und der Anarchismus'', Edition Anares, ISBN: 390505261X
 
*Alfredo M Bonnano: ''Max Stirner und der Anarchismus'', Edition Anares, ISBN: 390505261X
 
*Wolfgang Essbach: ''Gegenzüge''. Der Materialismus des Selbst und seine Ausgrenzung aus dem Marxismus - eine Studie über die Kontroverse zwischen Max Stirner und [[Karl Marx]], Materialis, 1982, ISBN: 3-88535-068-8
 
*Wolfgang Essbach: ''Gegenzüge''. Der Materialismus des Selbst und seine Ausgrenzung aus dem Marxismus - eine Studie über die Kontroverse zwischen Max Stirner und [[Karl Marx]], Materialis, 1982, ISBN: 3-88535-068-8
*[[Jürgen Mümken]]: Der „Einzige“ und die Sexualität des „geschlechtslosen Ich‘s“, edition bandera negra, Heft 7,
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*[[Jürgen Mümken]]: [http://www.juergen-muemken.de/texte/artikel07.htm Der „Einzige“ und die Sexualität des „geschlechtslosen Ich‘s“], edition bandera negra, Heft 7,
  
 
==Weblinks==
 
==Weblinks==

Revision as of 11:52, 20 July 2008

Max Stirner (Pseudonym für Johann Caspar Schmidt, * 25. Oktober 1806 in Bayreuth; gestorben 25. Juni 1856 in Berlin) war ein deutscher Philosoph.

Leben

Johann Caspar Schmidt stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater fertigte einfache Musikinstrumente; er starb, als Johann Caspar ein halbes Jahr alt war. Seine Mutter heiratete zwei Jahre später einen Apotheker und zog von Bayreuth nach Culm/Westpreussen. Johann Caspar wuchs in Bayreuth bei seinen Pateneltern auf. Nach dem Abitur studierte er von 1826-1828 in Berlin, unter anderem bei Hegel und Schleiermacher. Nach längerer Unterbrechung studierte er 1832/33 zwei weitere Semester in Berlin, um die Voraussetzung zur Ausübung des Lehrberufs zu erfüllen. Er schloss sein Studium 1835 ab, bekam dann jedoch keine staatliche Anstellung und trat seine erste Stelle 1839 bei einer privaten Schule für höhere Töchter in Berlin an. Seit 1841 gehörte er dort dem losen Kreis der „Freien“ an, einem Debattierzirkel oppositioneller (liberaler und sozialistischer) Wissenschaftler und Publizisten, zu denen unter anderem Bruno Bauer, Edgar Bauer, Karl Friedrich Koeppen, Ludwig Buhl, Adolf Rutenberg und zeitweise Friedrich Engels gehörten. Zu dieser Zeit publizierte er einige Artikel unter dem Pseudonym „Max Stirner“.

Ab ca. 1842 arbeitete er an seinem Hauptwerk Der Einzige und sein Eigentum, das als anarchistisches Standardwerk gilt. Dieses veröffentlichte er im Oktober 1844 mit Erscheinungsdatum 1845. Unmittelbar zuvor hatte er seine Anstellung aufgegeben; die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Stirner war zwei Mal verheiratet. Seine erste Frau starb 1838 im Kindbett, auch das gemeinsame Kind konnte nicht gerettet werden. 1843 heiratete Stirner Marie Dähnhardt aus Gadebusch; die beiden Eheleute gestalteten die Heirat zu einer formvollendeten Satire auf das kirchliche Eheschließungszeremoniell. Stirner widmete sein Buch Der Einzige und sein Eigentum, das ein Jahr danach erschien, seinem „Liebchen Marie Dähnhardt“ — nicht seiner „Frau Marie Schmidt“. Das war vermutlich eine bitter-ironische Anmerkung zur Wandlung der Marie, die nach der bald danach, 1846, vollzogenen Scheidung zum Katholizismus konvertierte.

Max Stirner übersetzte 1847 Adam Smiths Wohlstand der Nationen ins Deutsche, schrieb noch einige Artikel und erstellte zuletzt eine Kompilation „Geschichte der Reaktion“ (1852). Er starb 1856 infolge einer Infektion, verursacht durch einen Insektenstich, und wurde auf dem II. Sophien-Friedhof in Berlin-Mitte bestattet. Sein Nachlaß muß als verschollen gelten; nur sehr wenige Originaldokumente von und über Stirner sind erhalten geblieben. Auch gibt es keine zeitgenössischen Bildnisse. Der Schriftsteller und Stirner-Verehrer John Henry Mackay verfaßte nach über fünfundzwanzigjährigen Recherchen eine Biographie Stirners (1897, erw. 1910, erw. 1914), zu der später kaum noch etwas hinzugefügt werden konnte.

Philosophie

Stirner wird in der Philosophie der hegelschen Linken bzw. den Junghegelianern zugeordnet, was aber nur bedingt zutrifft. Denn in Der Einzige und sein Eigentum richtete sich seine Kritik in erster Linie gegen die tonangebenden Junghegelianer Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach.

Als erster Philosoph negierte er alle Imperative, verwarf alle moralischen Forderungen, pochte auf die uneingeschränkte Selbstmächtigkeit des Einzelnen und legte alles in dessen Verantwortung und Zuständigkeit.

Karl Marx, bei Erscheinen des Einzigen noch Anhänger Feuerbachs, sah sich hierdurch zu seiner Gegenschrift Die Deutsche Ideologie herausgefordert, die als erste Formulierung des Historischen Materialismus gilt. Er publizierte sie aber nicht und vermied so eine öffentliche Kontroverse mit Stirner, dessen Buch noch vor 1848 für fast ein halbes Jahrhundert in Vergessenheit geriet. Erst die Nietzschebegeisterung in den 1890er Jahren machte eine Neuauflage des Einzigen möglich, der dann für einige Jahrzehnte „ein heimlicher Hit“ (s. Lit.: Laska) wurde.

Bekannte Sentenzen aus dem Einzigen:

„Mir geht nichts über Mich!“
„Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt.“
„Unsere Atheisten sind fromme Leute.“

Pädagogik

Die Erziehungs und Pädagogikfrage ist für Stirner sehr wichtig, da alle soziale Fragen letzlich auf der Erziehung ruhten.

Das Ziel der Stirnerschen Erziehungstheorie ist der "persönliche" oder "freie", in Ermangelung guter Wörter auch "ganzen", "wahren", "vernünftigen" und "prinzipiellen" Menschen.

Stirner ist der Meinung, Pädagogik sollte nicht indoktrinierend sein, sondern sollte die Individualität des Erzogenen stärken: "nicht das Wissen soll angebildet werden, sondern die Person soll zur Entfaltung ihrer selbst kommen; nicht vom Zivilisieren darf die Pädagogik ferner ausgehen, sondern von der Ausbildung freier Personen, souveräner Charaktere." Er fordert weiterhin, dass man den Stolz und den "Freimut" der Kindern nicht brechen solle (wie das Hegel als Hauptmoment aller Erziehung gefordert hatte).

Wirkung und Kritik

Obwohl die meisten Darstellungen der Geschichte der Philosophie Stirner allenfalls am Rande erwähnen, hat er zahlreiche Denker beeinflusst. Unter ihnen Rudolf Steiner und John Henry Mackay, die seine Ideen teilweise übernommen haben, sowie Karl Marx, der seine Lehre gegen Stirners Ideen entwickelte. Einigen Spekulationen zufolge soll Stirner auch Friedrich Nietzsche ideologisch beeinflusst haben - es ist allerdings nicht nachgewiesen, dass Nietzsche je mit Stirners Werk konfrontiert wurde.

Die Zuordnung Stirners zum Anarchismus ist unter AnarchistInnen sehr umstritten, da die meisten von ihnen seine Ideen nicht mit denen des Anarchismus für vereinbar halten und nur sehr wenige Stirner tatsächlich als einen ihrer Ahnen betrachten. Historisch belegt ist, dass Friedrich Engels der erste Autor war, der aus polemischen Gründen Stirner als „Stammvater“ des Anarchismus hinstellte, [1] während weder Bakunin noch Kropotkin noch einer anderer bekannter Anarchist sich je auf Stirner berief.

Stirner, der „rücksichtslose Egoist“, wurde von Engels und nach ihm noch oft als Popanz benutzt, um eine ideologisch gegnerische Position zu delegitimieren, indem man ihr eine partielle Herkunft von Stirner oder Nähe zu ihm unterstellte. So wurde etwa behauptet:

  • In der „Nietzsche-Linie“ böte sein philosophischer Ansatz Positionen, die den Faschismus legitimieren.
  • In der „Tucker-Linie“ diene er zur Rechtfertigung z. B. des sog. Anarcho-Kapitalismus.
  • Die „Steiner-Linie“ zeige Ãœbereinstimmungen mit esoterischem Gedankengut, das zum einen fatalistischer Natur ist und sich dann auch noch häufig mit den beiden ersteren Linien paart. [2]

Nicht selten findet mensch auch eine Mischung der oben genannten Linien (siehe z.B.: Freiwirtschaft) bei diversen Querfront-Projekten (Nazis, die ihre wirklichen Gedanken durch die Ãœbernahme bestimmter linker Postionen verschleiern und auf diesem Wege menschenverachtendes rechtes Gedankengut basierend auf der Vorstellung einer partiellen Freiheit einschleusen wollen.)

Tatsächlich lässt sich Stirners Der Einzige und sein Eigentum mit keiner der genannten Ideologien in Einklang bringen.

Eine Renaissance erfährt Stirner heute durch einige Autoren des Postanarchismus, so etwa in den Schriften von Saul Newman

Anmerkungen

  1. In seiner Schrift Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, 1888
  2. Gegen diese Behauptungen vgl. die detaillierten Untersuchungen von Bernd A. Laska:

Werke

Literatur

  • Bernd A. Laska: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners "Einziger". Eine kurze Wirkungsgeschichte, 1996, LSR-Verlag, ISBN: 3-922058-62-0
  • Bernd A. Laska: Ein heimlicher Hit. 150 Jahre Stirners "Einziger". Eine kurze Editionsgeschichte, 1994, LSR-Verlag, ISBN: 3-922058-61-2
  • Gerhard Senft: Der Schatten des Einzigen. Die Geschichte des Stirner'schen Individual-Anarchismus, Monte Verita, ISBN: 3900434204
  • Alfredo M Bonnano: Max Stirner und der Anarchismus, Edition Anares, ISBN: 390505261X
  • Wolfgang Essbach: Gegenzüge. Der Materialismus des Selbst und seine Ausgrenzung aus dem Marxismus - eine Studie über die Kontroverse zwischen Max Stirner und Karl Marx, Materialis, 1982, ISBN: 3-88535-068-8
  • Jürgen Mümken: Der „Einzige“ und die Sexualität des „geschlechtslosen Ich‘s“, edition bandera negra, Heft 7,

Weblinks

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