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Revision as of 12:52, 17 August 2007

Especifismo

von Adam Weaver (NEFAC)

Überall in der Welt ist die anarchistische Involvierung in Massenbewegungen sowie die Entwicklung von spezifisch anarchistischen Organisationen im Aufschwung. Dieser Trend hilft Anarchismus die Legitimität als dynamische politische Kraft innerhalb von Bewegungen wiederzugewinnen und in diesem Licht bekommt Especifismo, ein Konzept, das aus fast 50 Jahren anarchistischer Erfahrungen in Südamerika kommt, immer mehr Aufmerksamkeit weltweit. Obwohl viele Anarchistinnen und Anarchisten mit den Ideen des Especifismo vertraut sein dürften, sollte es doch als ein origineller Beitrag zu anarchistischem Denken und Praxis definiert werden.

Die Praxis des Especifismo ist eine lebendige, entwickelte Praxis und eine viel relevantere und kontemporäre Theorie, die sich aus 50 Jahren anarchistischer Praxis in Lateinamerika entwickelt hat. Entsprungen am südlichen Ende Lateinamerikas, aber mit weiterreichendem Einfluss darüber hinaus, erwachsen die Ideen des Especifismo nicht aus einem einzelnen Dokument, sondern haben sich aus den Bewegungen des globalen Südens, der den Kampf gegen den internationalen Kapitalismus anführt und Beispiele für Bewegungen weltweit setzt, heraus entwickelt.

Die erste Organisation, die das Konzept des Especifismo unterstützt hat – damals mehr eine Praxis als eine ausgebildete Ideologie – war die Federación Anarquista Uruguaya (FAU), die 1956 von Anarchistinnen und Anarchisten gegründet wurde, welche die Idee einer spezifisch anarchistischen Organisation umsetzen wollten. Die Diktatur in Uruguay überlebt begann die FAU Mitte der 80er Kontakte mit anderen südamerikanischen anarchistischen Revolutionärinnen und Revolutionären herzustellen und diese zu beeinflussen. Die Arbeit der FAU unterstützte die Gründung der Federação Anarquista Gaúcha (FAG), der Federação Anarquista Cabocla (FACA) und der Federação Anarquista do Rio de Janeiro (FARJ) in den jeweiligen Regionen Brasiliens sowie die argentinische Organisation Auca (Rebell).

Die Schlüsselkonzepte von Especifismo werden weiter unten genauer erklärt, doch sie können hier in den folgenden drei Punkten zusammengefasst werden:

1. Die Notwendigkeit einer spezifisch anarchistischen Organisation, die auf einer Einheit von Ideen und Praxis aufgebaut ist. 2. Die Verwendung der spezifisch anarchistischen Organisation, um Theorien und strategische politische und organisatorische Arbeit zu entwickeln. 3. Aktive Involvierung in und die Bildung von autonomen und breiten sozialen Bewegungen, was als Prozess der “sozialen Einfügung” bezeichnet wird.


Eine kurze historische Perspektive

Obwohl sich Especifismo erst in den letzten Jahrzehnten im lateinamerikanischen Anarchismus entwickelt hat leiten sich die Ideen, auf denen das Konzept aufbaut, von einem historischen Faden ab, der sich durch die internationale anarchistische Bewegung zieht. Die bekannteste ist die plattformistische Strömung, die mit der Publikation der “Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union” begann. Dieses Dokument wurde 1926 von dem ehemaligen militanten Kleinbauernanführer Nestor Makhno, Ida Mett und anderen Anarchisten der Dielo Trouda (die Angelegenheit der Arbeiter) geschrieben, basierend auf der Zeitung mit demselben Namen (Skirda, 192-213). Als Exilanten der russischen Revolution kritisierte die Dielo Trouda in Paris die anarchistische Bewegung wegen ihres Mangels an Organisation, die ein gemeinsames Vorgehen gegen bolschewistische Machenschaften, Arbeitersowjets in ein Instrument der Einparteienherrschaft zu verwandeln, unmöglich machte. Als Alternative schlugen sie eine „Generelle Union der Anarchisten“ vor, die auf anarchistischem Kommunismus aufgebaut sein sollte und die nach einer „theoretischen und taktischen Einheit“ streben und sich auf den Klassenkampf und Gewerkschaften konzentrieren sollte. Andere ähnliche Entwicklungen inkludieren den “Organisatorischen Dualismus”, der in historischen Dokumenten der italienischen anarchistischen Bewegung der 1920er erwähnt wird. Die italienischen Anarchistinnen und Anarchisten verwendeten diesen Begriff, um die Involvierung als Mitglieder sowohl in anarchistischen politischen Organisationen als auch in der ArbeiterInnenbewegung (FdCA) zu fördern. In Spanien gründeten sich die „Freunde von Durruti“, eine Gruppe, die gegen die graduelle Umkehrung der Spanischen Revolution von 1936 auftraten (Guillamon). In „Zu einer frischen Revolution“ griffen sie einige Ideen der Plattform auf, kritisierten den Reformismus des CNT-FAI und dessen Kollaboration mit der republikanischen Regierung, welche, so behaupteten sie, zur Niederlage der antifaschistischen und revolutionären Kräfte beigetragen hat. Einflussreiche Organisationen in der anarchistischen Bewegung Chinas zwischen 1910 und 1920, etwa Wuzhengfu-Gongchan Zhuyi Tongshi Che (Gesellschaft anarchistisch kommunistischer Genossen), schlugen ähnliche Ideen vor (Krebs). Obwohl diese unterschiedlichen Strömungen alle spezifische Merkmale haben, die aus den jeweiligen Bewegungen und Ländern heraus entstanden sind, teilen sie doch alle die gleichen Ideen, die Bewegungen, Zeiten und Kontinente überqueren.


Especifismo ausgearbeitet

Die Espezifisten stellen drei Hauptschübe in ihrer Politik vor, die ersten zwei finden auf der Ebene der Organisation statt. Mit der Sichtbarmachung der Notwendigkeit spezifisch anarchistische Organisationen zu gründen, die um eine Einheit von Ideen und Praxis aufgebaut sind, machen die Espezifisten klar, dass sie gegen eine Synthese von revolutionären Organisationen oder verschiedenen anarchistischen Strömungen sind, welche nur schwach vereint sind. Sie charakterisieren diese Form von Organisation als eine verstärkte Suche für die notwendige Einigung von AnarchistenInnen zu dem Punkt, an dem Einigkeit mit allen Mitteln bevorzugt wird, in der Angst Positionen zu riskieren, und in der es Ideen und Vorschläge gibt, die manchmal unvereinbar sind. Das Ergebnis dieser Arten von Unionen sind libertäre Kollektive, die nicht viel mehr gemeinsam haben als sich als AnarchistInnen zu bezeichnen. (En La Calle)

Obwohl diese Kritiken von den südamerikanischen Espezifisten ausgearbeitet wurden, haben nordamerikanische Anarchisten und Anarchistinnen ebenso ihre Erfahrungen mit synthetischen Organisationen aufgezeigt, denen es aufgrund von multiplen und sogar widersprüchlichen politischen Tendenzen an jeglichem Zusammenhalt mangelt. Oft führen die Vereinbarungen solcher Gruppen dazu, dass nur eine vage Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners entsteht, die nur wenig Spielraum für gemeinsame Aktionen oder entwickelte politische Diskussionen zwischen Anarchistinnen und Anarchisten zulässt.

Ohne eine Strategie, die sich aus einer gemeinsamen politischen Vereinbarung ergibt, sind revolutionäre Organisationen dazu verurteilt, reaktivistische Gruppen im Lichte von kontinuierlichen Manifestationen von Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu sein und einem Kreislauf von unfruchtbare Aktionen hängen zu bleiben, welche immer wieder wiederholt werden, ohne je deren Konsequenzen zu analysieren oder zu verstehen (Featherstone et al). Weiters kritisieren die Espezifisten diese Tendenzen dafür, dass sie von Spontaneität und Individualismus geprägt sind und nicht zu seriöser, systematischer Arbeit führen, die nötig wäre, um revolutionäre Bewegungen zu gründen. Die lateinamerikanischen Revolutionärinnen und Revolutionäre behaupten, dass Organisationen ohne ein Programm, welches jeglicher Disziplin [in diesem Sinn als Einigkeit zu verstehen, Anm. d. Übersetzerin] zwischen AnarchistInnen widerstrebt und das verweigert sich selbst zu definieren oder sich selbst einzuordnen, eine direkte Fortführung des Liberalismus der Bourgeoisie seien, welche nur auf einen starken Stimulus reagieren und dem Kampf nur in seinen Höhepunkten beitreten, und die kontinuierliche Arbeit, gerade in Situationen in denen es relative Ruhe zwischen den Kämpfen gibt, verneinen. (En La Calle).

Eine wichtige Betonung der espezifistischen Praxis ist die Rolle von anarchistischen Organisationen, die auf der Basis von gemeinsamer Politik beruhen, als ein Raum dafür, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und zur Reflektion der organisatorischen Arbeit der Gruppe. Gestützt durch kollektive Verantwortung gegenüber den Plänen und der Arbeit der Organisation wird ein Vertrauen zwischen den Mitgliedern und Gruppen aufgebaut, welches eine tiefgründige, mit hohen Standards geführte Diskussion der Aktionen zulässt. Das erlaubt der Organisation, kollektive Analysen zu kreieren, kurzfristige und langfristige Ziele zu entwickeln und kontinuierlich ihre Arbeit aufgrund von Erfahrungen und Umständen zu reflektieren und zu verändern.

Aufgrund dieser Praktiken und aufgrund der Basis ihrer ideologischen Prinzipien, sollten revolutionäre Organisationen versuchen ein Programm zu entwickeln, das ihre kurz- und mittelfristigen Ziele definiert und das auf ihre langfristigen Ziele hinarbeitet:

Das Programm muss sich von einer genauen Analyse der Gesellschaft herleiten und von den Zusammenhängen der Kräfte, die ein Teil davon sind. Das Fundament muss die Erfahrung der Kämpfe der Unterdrückten sein und deren Bestrebungen, und von diesen Elementen müssen Ziele und Aufgaben gesetzt werden, die von der revolutionären Organisation verfolgt werden, um nicht nur im Endziel sondern auch in den Zwischenzielen Erfolg zu erzielen. (En La Calle)

Der letzte Punkt, der aber in der Praxis des Especifismo zentral ist, ist die Idee der “sozialen Einfügung”. (1) Es wurzelt in dem Glauben, dass die Unterdrückten der revolutionärste Sektor in der Gesellschaft sind und dass die Saat der zukünftigen revolutionären Transformation der Gesellschaft schon in diesen Klassen und sozialen Gruppierungen liegt. Soziale Einfügung meint anarchistische Involvierung in den täglichen Kämpfen der Unterdrückten und der ArbeiterInnenklasse. Es meint nicht nur, dass zu einzelnen Themen gearbeitet wird, die um die Involvierung von traditionellen politischen Aktivistinnen und Aktivisten herum basieren, sondern innerhalb von Bewegungen von jenen Menschen, die um eine Verbesserung ihrer Situation kämpfen, die nicht immer nur aus materiellen Nöten zusammenkommen, sondern auch aus sozialen und geschichtlich verwurzelten Gründen, um gegen die Attacken des Staates und des Kapitalismus Widerstand zu leisten. Diese inkludieren die ArbeiterInnenbewegungen der breiten Masse, Bewegungen von ImmigrantInnen, die eine Legalisierung ihres Status fordern, Nachbarschaftsorganisationen, die gegen Polizeigewalt und Polizeimorde Widerstand leisten, Studierende der ArbeiterInnenklasse, die gegen Budgetkürzungen vorgehen, und die armen und erwerbslosen Menschen, die gegen Zwangsräumungen und Leistungskürzungen kämpfen.

Durch die täglichen Kämpfe werden die Unterdrückten zu einer bewussten Kraft. Die Klasse-an-sich, oder mehr noch die KlasseN-an-sich (als Definition, die über die reduktionistische Sichtweise des städtischen Proletariats hinausgeht, um alle unterdrückten Gruppen in der Gesellschaft zu inkludieren, die eine materielle Verwurzelung in einer neuen Gesellschaft haben), werden durch diese täglichen Kämpfe, in denen es um unmittelbare Notwendigkeiten geht, zu gehärteten, getesteten, und wieder erschaffenen Klassen-an-sich. Das heißt, sie werden von sozialen Klassen und Gruppierungen, die objektiv und durch die Tatsache der sozialen Beziehungen existieren, zu einer sozialen Kraft. Zusammengeführt durch natürliche Methoden, und vielfach durch ihren eigenen selbst organisierten Zusammenhalt, werden sie zu selbstbewussten Akteurinnen und Akteuren, die sich ihrer Macht, Stimme und ihrer wahren Feinde – führende Eliten, die Kontrolle über die Machtstrukturen der modernen sozialen Ordnung ausüben – bewusst sind.

Beispiele für soziale Einfügung, welche die FAG angibt, sind ihre Arbeit in Nachbarschaftskomitees in städtischen Gemeinden und Slums (die Populäre Widerstandskomitees genannt werden), Allianzen mit einfachen Mitgliedern der Landlosenbewegung MST, und innerhalb der AbfallsammlerInnen. Aufgrund eines hohen Levels an temporärer und abhängiger Arbeit, Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit in Brasilien überlebt ein wichtiger Anteil der ArbeiterInnenklasse nicht primär durch Lohnarbeit, sondern durch Subsistenzarbeit und im informellen Wirtschaftssektor, wie etwa Gelegenheitsjobs am Bau, Straßenhandel oder die Sammlung von Abfall und recyclebaren Gegenständen. Aufgrund von einigen Jahren Arbeit hat die FAG eine starke Beziehung zu städtischen AbfallsammlerInnen, welche catadores genannt werden, aufgebaut. Mitglieder der FAG haben diese unterstützt, ihre eigenen nationalen Organisationen zu gründen, welche AbfallsammlerInnen um deren Interessen herum national mobilisieren und Geld sammeln, um einen kollektiv operierenden Recyclingbetrieb aufzubauen. (2)

Especifismo’s Konzeption des Verhältnisses der Ideen zu den Massenbewegungen ist, dass diese nicht durch eine Führerschaft, durch eine “Massenlinie” oder durch Intellektuelle aufgedrängt werden. Anarchistische Aktivistinnen und Aktivisten sollten nicht versuchen soziale Bewegungen zu einer Proklamation „anarchistischer“ Positionen zu bewegen, sondern sie sollten anstelle dessen an der Beibehaltung ihres anarchistischen Vorstoßes arbeiten; das heißt, deren natürliche Tendenz, selbst organisiert zu sein und mit aller Kraft für ihre eigenen Interessen zu kämpfen. Das setzt die Perspektive voraus, dass soziale Bewegungen ihre eigene Logik erreichen, eine Revolution zu schaffen, nicht notwendigerweise erst wenn sie als Ganzes den Punkt erreichen, sich selbst als Anarchistinnen und Anarchisten zu definieren, sondern wenn sie als Ganzes (oder zumindest mit überwältigender Mehrheit) ein Bewusstsein ihrer eigenen Macht erreichen und diese Macht im täglichen Leben ausüben, also in ihrer Weise anarchistische Ideen annehmen. Eine zusätzliche Rolle der anarchistischen Aktivistinnen und Aktivisten innerhalb der sozialen Bewegungen ist, so glauben die Espezifisten, die vielfältigen politischen Strömungen, die innerhalb der Bewegungen existieren werden, zu adressieren und aktiv gegen opportunistische Elemente einer Führerschaft und einer Wahlpolitik vorzugehen.


Especifismo im Kontext von nordamerikanischem und westlichem Anarchismus

Innerhalb der aktuellen Stränge des organisierten und revolutionären Anarchismus in Nordamerika und im Westen, zeigen zahlreiche Indikatoren zu der Inspiration und des Einflusses der Anarchistischen Plattform, dass diese den größten Einfluss auf das aktuelle Aufblühen von anarchistischen Klassenkampforganisationen [Organisationen, die sich auf den Klassenkampf fokussieren, Anm. d. Übers.] weltweit hat. Viele sehen die Plattform als ein historisches Dokument, welches die Fehler des organisierten Anarchismus innerhalb der globalen revolutionären Bewegungen dieses Jahrhunderts anspricht und sich als Akteurinnen und Akteure innerhalb der „plattformistischen Tradition“ sehen. Aufgrund dessen verdienen Especifismo und der Plattformismus einen Vergleich und eine Gegenüberstellung.

Die Autoren der Plattform waren Veteranpartisanen der Russischen Revolution. Sie halfen einen Guerillakrieg der Kleinbauern und –bäurinnen gegen die westlich europäischen Armeen zu führen und später gegen die Bolschewiken der Ukraine, dessen Bewohner eine unabhängige Geschichte von jener des russischen Imperiums hatten. Deshalb sprachen die Autoren der Plattform mit Sicherheit aus einer Fülle von Erfahrungen und innerhalb ihres historischen Kontextes in einer ihrer Ära zentralsten Kämpfe. Aber das Dokument macht wenig Fortschritt in seiner Ankündigung Klassenkampfanarchistinnen und -anarchisten zu vereinen und ist sehr still in der Analyse oder dem Verständnis von zahlreichen Schlüsselfragen, welche Revolutionärinnen und Revolutionäre dieser Zeit betroffen haben, etwa die Unterdruckung von Frauen oder durch den Kolonialismus.

Obwohl die meisten heutigen anarchistisch kommunistisch orientierten Organisationen behaupten, von der Plattform beeinflusst zu sein, kann diese in retrospektive als ein pointiertes Statement gesehen werden, das aus dem Sumpf heraus entstanden ist, in den der Anarchismus nach der Russischen Revolution gefallen ist. Als ein historisches Projekt werden die Vorschläge und Grundideen der Plattform von individualistischen Tendenzen innerhalb der anarchistischen Bewegung zum Großteil abgelehnt, aufgrund von Sprachbarrieren missverstanden, wie manche behaupten (Skirda, 186), oder hat nie unterstützende Elemente oder Organisationen erreicht, die sich um dieses Dokument herum hätten vereinen können. 1927 hielt die Gruppe Dielo Trouda eine kleine internationale Konferenz ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer in Frankreich, aber diese wurde schnell von den Behörden aufgelöst.

Im Vergleich dazu ist die Praxis des Especifismo eine lebendige, entwickelte Praxis und eine viel relevantere und kontemporäre Theorie, die sich aus 50 Jahren anarchistischer Organisation heraus entwickelt hat. Entsprungen am südlichen Ende Lateinamerikas, aber mit einem weitreichenden Einfluss darüber hinaus, leiten sich die Ideen des Especifismo nicht von einem einzelnen Dokument ab, sondern haben sich von selbst aus den Bewegungen des globalen Südens heraus entwickelt, welche den Kampf gegen den internationalen Kapitalismus anführen und Beispiele für Bewegungen weltweit setzen. Die Espezifisten rufen zu einer viel tieferen Basis anarchistischer Organisation auf als die Plattform mit ihrer „theoretischen und ideologischen Einheit“, aber ein strategisches Programm, welches auf Analysen basiert, leitet die Aktionen der Revolutionärinnen und Revolutionäre. Sie zeigen uns lebendige Beispiele revolutionärer Organisation auf, die auf der Notwendigkeit gemeinsamer Analyse, geteilter Theorie und einer festen Verwurzelung innerhalb der sozialen Bewegungen basieren.

Ich glaube, dass uns die Tradition des Especifismo viel Inspiration geben kann, nicht nur auf einer globalen Ebene, sondern auch und vor allem für nordamerikanische Klassenkampfanarchistinnen und –anarchisten und für multi-ethnische Revolutionärinnen und Revolutionäre innerhalb der USA. Während die Plattform leicht so verstanden werden kann, dass sie die Rolle der Anarchistinnen und Anarchisten eng und vor allem innerhalb der Gewerkschaften sieht, zeigt uns Especifismo lebendige Beispiele auf die wir schauen können und die uns mehr für unsere Arbeit der Bildung einer heutigen revolutionären Bewegung zeigen können. Ich hoffe außerdem, dass uns dieser Artikel, wenn wir all das Bedenken, helfen kann, uns mehr konkret zu reflektieren, wie wir uns als Bewegung definieren und unsere Traditionen und Einflüsse formen.


Literatur

En La Calle (Unsignierter Artikel). "La Necesidad de Un Proyecto Propio, Acerca de la importancia del programa en la organizacion polilitica libertaria” oder “The Necessity of Our Own Project, On the importance of a program in the libertarian political organization." En La Calle, publiziert von der Argentinischen OSL (Organización Socialista Libertaria) Juni 2001. 22. Dez. 2005. Übersetzung von Pedro Ribeiro. Original Portugiesisch oder Englisch Featherstone, Liza, Doug Henwood and Christian Parenti."Left-Wing Anti-intellectualism and its discontents" Lip Magazine 11 Nov 2004. 22 Dec 2005 .

Guillamon, Agustin. The Friends of Durruti Group: 1937-1939. San Francisco: AK Press, 1996.

Krebs, Edward S. Shifu, the Soul of Chinese Anarchism. Landham, MD: Rowman & Littlefield, 1998.

Northeastern Anarchist. The Global Influence of Platformism Today von The Federation of Northeastern Anarchist Communists (Johannesburg, South Africa: Zabalaza Books, 2003), 24. Interview with Italian Federazione dei Comunisti Anarchici.

Skirda, Alexandre. Facing the Enemy, A History of Anarchist Organization from Proudhon to May 1968. Oakland, CA: AK Press 2002.


Fußnoten:

1. Obwohl der Begriff "soziale Einfügung", der direkt aus den Texten von Especifismo kommt, Organisationen beeinflusst hat, haben sich einige meiner Kolleginnen und Kollegen mit ihm auseinandergesetzt. Also bevor man voreilig unkritisch diesen Begriff verwendet, sollte es vielleicht eine Diskussion darüber geben.
2. Eduardo, damals Sekretär für externe Beziehungen der brasilianischen FAG. "Saudacoes Libertarias dos E.U.A." E-mail an Pedro Ribeiro. 25. Juni 2004

Links:

Dieser Artikel wurde auf Anarkismo veröffentlicht: [1]
Das englische Original finden Sie hier: [2]
Anarchistische Plattform
Plattformismus
Anarchokommunismus
NEFAC: [3]