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Anarchismus in Israel

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Der Anarchismus kam erstmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts getragen durch eine große Welle von Emigranten aus Osteuropa (Russland, Litauen, Ukraine, Polen) nach Palästina. Die Ideen Peter Kropotkins und Leo Tolstois hatten einen bemerkenswerten Einfluss auf die Strömung des linken Zionismus, zu erwähnen seien hier Yitzhak Tabenkin, Berl Katzenelson, und Mark Yarblum. Der Organisator der jüdischen Selbstverteidigungs Bewegung, Joseph Trumpeldor, war in seinen Ideen dem Anarcho-Syndikalismus sehr nahe. Der Anarchismus hatte auch Einfluss auf die Strukturen sozio-kulturellen Bewegungen wie Poalei Zion, Zeirei-Zion, He-Halutz, und Gdud ha-Avoda.

Zu Beginn des Jahrhunderts hatten die AnarchistInnen in Palästina, beinahe alle kamen aus Osteuropa, keinen Kontakt zu der jiddisch anarchistischen Bewegung, und übernahmen die Hebräische Sprache. In den 20er und 30er Jahren lebten die meisten von ihnen in Kibbuzen; so war der bekannte Anarchist Aharon Shidlovsky zum Beispiel einer der Gründer des Kibbuz "Kvutzat Kinneret". Während der spanischen Revolution reisten viele der israelischen AnarchistInnen nach Spanien um dort in den Reihen der CNT-FAI gegen Franco und den Faschismus zu kämpfen.

Bis in die 40er Jahre gab es keine anarchistische Organisationen in Palästina. Kurz vor und nach der Verabschiedung der Verfassung des Staates Israel, 1947, hatte der Anarchismus eine spezifische und visuelle Präsenz, unter dem Zufluss von Jiddisch sprechenden west-europäischen AnarchistInnen, die den Nationalsozialismus überlebten. Gegen Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre, bildeten polnische Emigranten eine anarchistische Gruppe in Tel Aviv, Hauptaktivistin war Eliezer Hirshauage, Autorin eines Buches über die Geschichte der polnischen anarchistischen Bewegung welches 1953 veröffentlicht wurde. Ab den 50er begann der israelische Anarchismus sich verstärkt auf Abba Gordin (1887-1964), einen Schriftsteller, Philosoph und bekannteren Vertreter der jiddischen anarchistischen Bewegung, zu beziehen. Gordin war einer der Vordenker der gesamt-russischen anarchistischen Bewegung und einer der OrganisatorInnen der Anarchistischen Föderation Moskau (1918). Seit 1925, lebte er in New York, wohin er emigrierte und wo er eine literarisch philosophische Rezension, "Yiddishe Shriften" (1936-1957), verlegte. Außerdem trug er sporadisch zu der langlebigsten anarchistischen Zeitschrift in der jiddischen Sprache, der Freien Arbeiter Stimme (1890-1977), bei.

1958 zog Abba Gordin nach Israel und gründete in Tel Aviv einen jiddisch anarchistischen Zirkel, "Agudath Schochrei Chofesh" (ASHUACH), mit einer Bücherei von klassischen Werken über den Anarchismus in jiddisch, hebräisch und polnisch sowie einem großen Raum für Treffen und Konferenzen. Außerdem begann er die Herausgabe einer bilingualen (jiddisch/hebräisch) monatlichen Zeitschrift, "Problemen/Problemot", welches er von 1959 bis 1964 leitete. Während dieser Zeit hatte ASHUACH ca. 150 Mitglieder und zog hunderte Menschen zu Konferenzen über die anarchistische Philosophie an. Einige der am meisten diskutierten Themen waren u.a.: Die spirituellen Wurzeln des Anarchismus und die Verbindungen zwischen dem Anarchismus, das Buch der Propheten (Neviim) und der Qabbalah. "Problemen" veröffentlichte Geschichten und Artikel über die Geschichte des Anarchismus, chassidische Legenden, mittelalterliche jüdische Literatur und die aktuellen Probleme der jiddischen Literatur.

Nach dem Tode Abba Gordins, übernahm Shmuel Abarbanel von 1964 bis 1971 die Leitung der Zeitschrift. Joseph Luden (* 1908 Warschau) nahm 1971 seinen Platz ein und schloss einen Verlag der Zeitschrift an welcher ca. 15 Bücher und Pamphlete (Romane und Gedichte) in der jiddischen Sprache veröffentlichte. Folglich verlor "Problemen" den hebräischen Teil des Titels, da in ihr nur noch jiddisch geschrieben wurde. Die Anzahl der Seiten erhöhte sich von 24 auf 36.

ASHUACH und "Problemen" waren in permanenten Kontakt mit der jiddisch anarchistischen Bewegung, insbesondere mit der "Freien Arbeiter Stimme" aus New York und "Dos Freie Wort" aus Buenos Aires. Zur selber Zeit wurde "Problemen" weniger philosophisch und mehr literarisch. Die LeserInnen der Zeitschrift waren in der gesamten israelischen Gesellschaft präsent. Der Schriftsteller Leonid Podrydchik bezeichnete "Problemen" als die beste jiddische Publikation.

ASHUACH kommt in den 80ern zum Stillstand. Die alten AnarchistInnen starben nacheinander und die wenigsten jüngeren Menschen sprachen Jiddisch. Die letzte Nummer des "Problemen" wird im Dezember 1989 veröffentlicht (es war die 165. Ausgabe). Später versuchte Joseph Luden es mit einer neuen Zeitschrift, der "Freien Stimme", um die Tradition des "Problemen" weiterzuführen. Aber nur eine Ausgabe wird im September 1991 gedruckt. Damit war die "Freie Stimme" die letzte jiddische Zeitschrift der Welt.

Gegen Ende der 80er Jahre bekam die anarchistische Bewegung in Israel Aufwind durch die Punk Subkultur und den Beginn der Anti-Globalisierungs Bewegung. Heute gibt es mehrere anarchistische Gruppen in Israel. Zu erwähnen seien hier Anarchists Against the Wall, einer Gruppe die mit gewaltfreien direkten Aktionen gegen die Mauer zwischen Israel und Palästina vorgeht, Black Laundry, die sich für die Rechte von queeren Menschen einsetzt, One Struggle, einer Vegananarchistischen Tierrechts Gruppe, sowie dem Independent Media Center Israel/Palästina (Indymedia).

Außerdem gibt es seit mehreren Jahren die anarchosyndikalistische Initiative Israel/Palästina, welche sich sowohl gegen die vom israelischen Staat gesteuerten Gewerkschaften als auch gegen die Reaktion der PLO richtet.


Sekundärliteratur[edit]

Weblinks[edit]

Kategorie:Anarchismus Kategorie:jüdischer Anarchismus Kategorie:Naher Osten