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Libertärer Kapitalismus

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Anarchokapitalistisches Symbol

Libertärer Kapitalismus ist eine sozialdarwinistische Ideologie, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den USA entstand und maßgeblich durch die Österreichische Schule beeinflusst wurde. Er versteht sich als eine Lehre vom "freien" kapitalistischen Markt und stellt eine neoliberale Neuauflage des Manchesterkapitalismus dar, die radikalisiert und zudem um einige anarchistische Prinzipien und einen radikalen Individualismus ergänzt wurde. Libertäre Kapitalisten bezeichnen sich in Hinblick auf diese Vorbilder mitunter auch als "Klassische Liberale", besonders dann, wenn es ihnen darum geht, Gemeinsamkeiten mit wirtschaftsliberal-bürgerlichen Gruppen zu betonen.

Im Wesentlichen gibt es den sogenannten libertären Kapitalismus in zwei Formen:

AnarchistInnen lehnen den Anarchokapitalismus grundsätzlich ab, da Kapitalismus eine Form der Herrschaft ist und eine sozialdarwinistische Praxis erfordert und die Ablehnung der Herrschaft im Anarcho-Kapitalismus sich lediglich auf Mechanismen bezieht, die dem Marktliberalismus im Wege stehen.

Anarcho-kapitalistische Sichtweisen entsprechen nicht dem Grundkonsens der Anarchopedia.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Vorstellungen der Anarchokapitalisten

Anarcho-KapitalistInnen treten für eine von freiwilligen Übereinkunften und freiwilligen vertraglichen Bindungen geprägte und mit Märkten organisierte Gesellschaft ein, die vollständig auf staatliche Institutionen und Eingriffe verzichtet. Das Recht auf Selbstbestimmung hat hier vor allem zum Inhalt, dass jeder frei in seinem Handeln und im Gebrauch seines Privateigentums sein soll, solange er nicht das Selbstbestimmungsrecht eines anderen verletzt. Das entscheidende Feindbild des Anarcho-Kapitalismus ist der Etatismus und das Erheben von Steuern ("Zwangsabgaben"). Staatsbedienstete gelten unterschiedslos als Schmarotzer.

[Bearbeiten] Die Eigenbeschreibung des Anarcho-Kapitalismus

Kapitalismus wird hier vor allem als Möglichkeit verstanden, ein herrschaftsloses und autonomes Leben frei von verhassten Staatseinflüssen zu führen. Der Kapitalismus wird als eine soziale und ökonomische Ordnung gedeutet, die frei von Privilegien sei. Demokratie und demokratische Verfahren (z.B. Konsensprinzip) werden von Anarchokapitalisten als Verstoß gegen individuelle Eigentumsrechte und das individuelle Sezessionsrecht aufgefasst. Das Konzept des Wettbewerbs spielt im libertären Kapitalismus im Vergleich zur zentralen Idee vom Eigentum eine nachrangige Rolle. Wettbewerb wird bevorzugt als Wettbewerb um bessere Ideen verstanden. Diese besseren Ideen finden mit Hilfe des "freien" Marktes ihren Weg zu all jenen, die daran interessiert sind.

Da die Ideen frei sind, gibt es im Anarcho-Kapitalismus auch kein Konzept geistigen Eigentums und somit auch kein Copyright oder Patentrecht. Patente werden als staatlicher Privilegien- bzw. Monopolschutz betrachtet.

Anarcho-Kapitalisten vertreten die Vorstellung, dass eine staatsfreie Gesellschaftsordnung darauf hinaus läuft, dass dort niemand Untertan eines anderen ist. Das Privateigentum beinhalte automatisch auch die körperliche Unversehrtheit ("Selbsteigentum") und elementare Grundfreiheiten des Individuums. Allerdings wird das Problem von privater Macht von Anarcho-Kapitalisten pauschal abgestritten bzw. nur ungern diskutiert. Der Kapitalismus sei die natürliche Wirtschaftsform des Menschen. Es würde sich in einer herrschaftsfreien Umgebung automatisch ein kapitalistisches Wirtschaftssystem entwickeln, da die Bürger miteinander Handel treiben und Unternehmen gründen, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Nur Privateigentum, besondere auch an Grund und Boden, ermöglicht Personen die friedliche Kooperation, und zwar auch dann, wenn es unter ihnen Interessengegensätze gibt. Im Konfliktfall kann jeder jederzeit zu den Waffen greifen, um auf diese Weise seine Interessen wahrzunehmen oder Sicherheitsagenturen damit beauftragen. Auf diese Weise ließe sich Freiheit umfassend und kompromisslos verwirklichen.

[Bearbeiten] Die Differenz zur kapitalistischen Gegenwart

Anarcho-Kapitalisten glauben, dass der Kapitalismus noch nicht verwirklicht sei. Der Kapitalismus ist für sie vielmehr eine Utopie, da es geschichtlich bislang nur einen Kapitalismus gab, der durch staatliche Struktur-Maßnahmen deformiert sei. Dazu zählt z.B. die Polizei, das Militär, das Geldmonopol (bzw. "Staatsgeld"), die Notenbank, dazu Kartellgesetzgebung, Subventionen, Sozialstaat etc. Der staatlich regulierte Kapitalismus wird von Anarcho-Kapitalisten grundsätzlich abgelehnt.

[Bearbeiten] Verbreitung des Anarcho-Kapitalismus

Der Anarchokapitalismus ist im Vergleich zum deutschsprachigen Raum in den U.S.A. und Osteuropa stärker verbreitet und hat auch Anhänger in Deutschland, Frankreich und Italien. Wichtige Personen, die zur Ausprägung der Richtung beigetragen haben, sind Murray N. Rothbard, Ayn Rand, Robert Nozick, Hans Hermann Hoppe und David D. Friedman.

[Bearbeiten] Differenz des Anarcho-Kapitalismus zum Anarchismus

Anarcho-"Kapitalisten negieren den sozialhumanistischen Gehalt des Individualanarchismus und verorten sich damit als außerhalb des Anarchismus stehend. Hier von einem "modernisierten Individualanarchismus" zu sprechen wie z.B. seitens von Bernd A. Laska, entbehrt jeglicher Grundlage. Erst die strukturellen Veränderungen des kapitalistischen Marktes, der Rolle des Geldes, die Neudefinition der Arbeit, die Zerschlagung der Monopole und Oligopole der Konzerne und die Einschränkung der Rolle der Banken machen den sozialhumanistischen Ansatz des anarchistischen Individualismus aus, die Menschen von jeder ökonomischer Herrschaft und staatlicher Gängelung zu befreien. Durch das sozialdarwinistische Verständnis der Gesellschaft ist der Anarcho-Kapitalismus in letzer Konsequenz inhuman und individual-feindlich - er bereitet den Weg in gewalttätige Oligarchien wie z.B. in Russland oder Somalia. Im Gegenzug grenzen sich führende Anarcho-KapitalistInnen trotz ihrer Nähe zum Individualismus auch gegen diesen ab, in dem sie z.B. bei Stirner die mangelnde Konfliktfähigkeit seines egozentrierten Weltbildes kritisieren und daraus gesellschaftliche Instabilität herleiten.

Anarchismus und Anarcho-Kapitalismus sind Gegenpole.

[Bearbeiten] Die Vorstellungen der Minarchisten

Die Minarchisten wiederum sehen es im Unterschied zu den Sichtweisen der Anarcho-Kapitalisten als zulässige Staatsaufgabe an, das Eigentum und die wirtschaftliche Freiheit mit seinem Gewaltmonopol zu sichern, dazu Zentralbankgeld und eventuell auch noch einen Rahmen an Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten. Minarchisten sind damit anschlussfähig an den Wirtschaftsliberalismus. Mit den Anarchisten verbindet sie v.a. die Ablehnung staatlicher Tätigkeit, sofern sich diese eben nicht auf die Sicherung des Eigentums und der Gewerbefreiheit beschränkt. Ludwig Mises und Friedrich August Hayek gehören zu den Haupt-Idolen der Minarchisten, weitere Berührungspunkte bestehen zum sogenannten Objektivismus von Ayn Rand, in selteneren Fällen auch zu Hans Hermann Hoppe. Durch die massive Unterstützung durch kapitalstarke Denkpanzer konnten die Vertreter des libertären Kapitalismus ihre Standpunkte teils recht weit in der Öffentlichkeit verbreiten.

[Bearbeiten] Die zwei Axiome von Murray Rothbard:

- Jeder Mensch, ob jung ob alt, ob arm ob reich, ob männlich oder weiblich, hat ein absolutes und natürliches Recht auf sich selbst.

- Jeder Mensch, wiederum ohne Ausnahme, hat ein ebenso absolutes und natürliches Recht auf eine 'Heimstatt' (homestead).

[Bearbeiten] Noam Chomsky über Anarcho-Kapitalismus

Chomsky identifiziert sich offen mit Syndikalismus. Er bezieht sich auf Anarcho-Kapitalismus als

...ein dogmatisches System welches, wenn jemals errichtet, zu Formen von Tyrannei und Unterdrückung führen würde, die wenige Pendants in der Geschichte der Menschen hat...Außerdem bewundere ich ihre Hingabe zur Rationalität – welche selten ist – dennoch denke ich nicht dass sie die Konsequenzen der Doktrinen, die sie unterstützen, oder ihre abgrundtiefen moralischen Mängeln sehen.
siehe Noam Chomsky über Anarcho-Kapitalismus

[Bearbeiten] Zitate

[Bearbeiten] über Waffen und Juden

Nein Freunde, jeder Mensch hat das Recht, die Sicherung seiner Rechte selbst in die Hand zu nehmen, wenn er es wünscht. Niemand muß sich der Gnade einer mächtigeren Institution unterwerfen. Wer dies tut, der muß dann zu Recht die Meinungen seines Nachbarn fürchten. Der muß zu Recht befürchten, dass mal der Falsche gewählt wird. Wer seine Sicherheit unabdingbar in die Hände von Dritten legt, versklavt sich letztlich selbst. Jeder, der mir erzählen will, ich hätte kein Recht mich zu meiner eigenen Sicherheit zu bewaffnen muß ich als meinen Feind ansehen. Denn er kann damit nicht mein Wohl im Sinn haben.
Die Juden haben diese Lektion verstanden und sich mittlerweile bewaffnet. Leider haben sie das zu kollektiv getan, und dabei gleich einen neuen, verbrecherischen Leviathan gegründet.
Frei zu sein bedeutet, die Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen. Wie aber will man das tun, wenn man im Zweifel nicht einmal bereit ist, die Sicherheit dieses Lebens in die eigene Hand zu nehmen?
Quelle: http://anarcho-kapitalismus.de (über privaten Waffenbesitz)

[Bearbeiten] über Recht

Allerdings ist der Anarcho-Kapitalismus eine Bewegung, die im individualistischen Westen, genauer in Amerika ihren Ursprung hat. Und deswegen schwebt wohl den meisten Anhängern dieser Bewegung kein traditionelles Rechtssystem vor, sondern ein kommerzielles, worauf auch der Begriff „Kapitalismus“ im Namen hindeutet. In einem solchen Rechtssystem gäbe es kommerzielle Rechts- und Sicherheitsanbieter, die ihre Kunden am freien Markt suchen müssten. Durch die dadurch entstehende Konkurrenz würden sich mit der Zeit sehr effektive Rechte durchsetzen, die ein Maximum an individueller Freiheit gewährleisten würden. Man hätte es also mit einem echt freien Markt, d.h. einem Markt der frei von monopolistischen Manipulationen ist zu tun.
Quelle: http://anarcho-kapitalismus.de (Was ist Anarcho-Kapitalismus?)

[Bearbeiten] Siehe auch:

[Bearbeiten] Weblinks

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